Von: Olga Erler
πŸ”¬ Lektion 1: Anatomie

In dieser Lektion lernst du die Kurzcharakteristik, die Aufgaben und den Aufbau des Lymphsystems.

🎯 Am Ende dieser Lektion kannst du:

  • ErklΓ€ren wie das Lymphatische System aufgebaut ist
  • Die Aufgaben benennen
  • Die einzelnen Organe und Gewebe mit ihrem Aufbau und Aufgaben beschreiben
  • Die Zusammensetzung der Lymphe benennen

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ÜbungsblÀtter/ ArbeitsblÀtter

Lymphatisches System und Abwehr Anatomie


Zusammenfassung der Anatomie:

1. Kurzcharakteristik:

Das lymphatische System umfasst die Gesamtheit des lymphatischen Gewebes und der lymphatischen Organe. Es erfüllt wichtige Aufgaben im Immunsystem und dient neben dem Blutkreislauf als eigenes Transportmittel großmolekularer Stoffe.

2. Aufgaben:

βœ… UnterstΓΌtzung des Immunsystems:

  • Bildung, PrΓ€gung und Differenzierung von Immunzellen
  • Phagozytose und Erkennen von entarteten Zellen

βœ… Aufnahme- und Transportfunktion großmolekularer Stoffe:

  • Aufnahme von langkettigen Fetten aus dem Darm in Form von Chylomikronen
  • Transport von Eiweißen, ZelltrΓΌmmern und Krankheitserregern
  • Lymphogene Metastasierung: Tumorzellen kΓΆnnen ΓΌber LymphgefÀße in andere Gewebe gelangen

βœ… EntwΓ€sserung von Gewebe durch das Lymphabflusssystem (Drainage)

  • RΓΌckfΓΌhrung von GewebsflΓΌssigkeit (interstitieller FlΓΌssigkeit) in den venΓΆsen Kreislauf
  • TΓ€glicher Lymphabfluss: ca. 2–4 Liter ΓΌber die großen LymphstΓ€mme
    • Ductus thoracicus (75%) β†’ ca. 1,5–3 L/Tag
    • Ductus lymphaticus dexter (25%) β†’ ca. 0,5–1 L/Tag
    • EinmΓΌndung: jeweils in den Venenwinkel (Verbindung V. jugularis interna + V. subclavia)

3. Bestandteile:

βœ… Die Gesamtheit der lymphatischen Organe, bilden zusammen mit den Leukozyten das Immunsystem:

  • Unspezifisches Abwehrsystem= angeboren
  • Spezifisches Abwehrsystem= erworben

βœ… Lymphatische Organe:

  • PrimΓ€re lymphatische Organe (rotes Knochenmark und Thymus) und sekundΓ€re lymphatische Organe (Milz, lymphatisches Gewebe der SchleimhΓ€ute = Waldeyer-Rachenring, Appendix und Peyer-Plaques)

βœ… LymphgefÀßsystem:

  • Lymphbahnen

βœ… Die Lymphe

3.1 PrimΓ€re lymphatische Organe

βœ… Rotes Knochenmark

Kurzcharakteristik: 

Das rote Knochenmark zΓ€hlt zu den primΓ€r lymphatischen Organen und ist fΓΌr die HΓ€matopoese= Blutbildung zustΓ€ndig. Es enthΓ€lt die multipotente hΓ€matopoetische Stammzelle, die VorlΓ€uferzellen, sowie Erythrozyten, Leukozyten und Thrombozyten in verschiedenen Entwicklungs- und Reifestadien, die in retikulΓ€res Bindegewebe eingebettet sind.

Topographie:

  • Bei SΓ€uglingen: In allen Knochen, auch in der Diaphyse (Knochenschaft) der RΓΆhrenknochen (mit zunehmendem Alter durch fettreiches, gelbes Knochenmark ersetzt)
  • Beim Erwachsenen befindet sich rotes Knochenmark in:
    • Platten Knochen: Sternum, Rippen, SchΓ€delknochen, Scapula, Clavicula und Beckenknochen
    • Kurze Knochen: WirbelkΓΆrper
    • RΓΆhrenknochen: nur noch in den Epiphysen der proximalen Enden von Femur und Humerus


Aufgaben:

  • HΓ€matopoese: Bildung aller Immunzellen (Leukozyten), Erythrozyten und Thrombozyten aus der multipotenten hΓ€matopoetischen Stammzelle:
    • Zu welcher Zelle sie ausdifferenziert, hΓ€ngt maßgeblich von der Einwirkung der Wachstumsfaktoren ab (Zytokine, Erythropoetin und Thrombopoetin)
  • B-LymphozytenprΓ€gung (Reifung, PrΓ€gung und Differenzierung von B- Lymphozyten=Bone- Marrow)
    • T- Lymphozyten gelangen ΓΌber den Blutweg zu ihrer Reifungs-, PrΓ€gungs- und DifferenzierungsstΓ€tte, der ThymusdrΓΌse (T-LymphozytenprΓ€gung)

βœ… Thymus (Bries)

Kurzcharakteristik:

Der Thymus zΓ€hlt zu den primΓ€r lymphatischen Organen und ist vor allem beim Neugeborenen und beim Heranwachsenden gut entwickelt (ca. 35g). Ab der PubertΓ€t entwickelt sich das Organ zurΓΌck und wandelt sich in einen FettkΓΆrper um (Thymusinvolution). Bis zum 60. Lebensjahr ist so gut wie kein lymphatisches Gewebe mehr vorhanden.

Topographie:

  • Hinter dem oberen Brustbein im Mediastinum
  • Liegt ventral dem Herzbeutel auf (darΓΌber)
    • Außerdem vor der Aorta ascendens und der V. cava superior
  • Blutversorgung:
    • Arterielle Versorgung: Rami thymici aus der A. thoracica interna
    • VenΓΆser Abfluss: Vv. thymicae

Makro- und Mikroanatomie:

  • Rechter und linker Thymuslappen (Lobus dexter und sinister) und Aufteilung in weitere LΓ€ppchen
  • DΓΌnne Bindegewebskapsel
  • Thymusrinde (Rindenzone = Cortex) aus kollagenem Bindegewebe (derb)
    • Hier befinden sich zahlreiche unreife Lymphozyten (Thymozyten). Diese passieren die Rinde und gelangen in die Markzone
  • Thymusmark (Markzone = Medulla) aus retikulΓ€res Bindegewebe (locker)
    • Zwiebelschalenartig angeordnete Thymus- Epithelzellen= Hassall- KΓΆrperchen. Diese sind fΓΌr die Bildung von Thymushormonen zustΓ€ndig, wodurch die T- Lymphozyten ihre immunologische PrΓ€gung erhalten= Thymopoese. Außerdem befinden sich in der Markzone: 
    • Makrophagen, Mastzellen, Dendritische Zellen, Fibroblasten und reife T- Lymphozyten (T- Helferzellen, T- Suppressorzellen und zytotoxische T- Zellen)
  • BlutgefÀße und weite Kapillaren sowie efferente LymphgefÀße, wodurch die T- Lymphozyten lymphogen und hΓ€matogen ausgeschwemmt werden


Aufgaben:

  • Der Thymus ist das zentrale lymphatische Organ fΓΌr die Reifung, PrΓ€gung und Differenzierung der T-Lymphozyten = T-LymphozytenprΓ€gung. Die VorlΓ€uferzellen entstehen im roten Knochenmark und wandern ΓΌber die Blutbahn in den Thymus ein. Dort durchlaufen sie ihre Reifung und Selektion, um funktionstΓΌchtige und kΓΆrpereigene Strukturen tolerierende T-Zellen zu werden. Nach Abschluss der Reifung werden die T-Lymphozyten ΓΌber Blut- und LymphgefÀße in die sekundΓ€ren lymphatischen Organe (z. B. Lymphknoten, Milz, Tonsillen) ausgeschwemmt.
  • Der Thymus produziert verschiedene Peptidhormone, zusammengefasst als Thymosine (bzw. Thymusfaktoren). Dazu zΓ€hlen u.a. Thymopoetin I und II, die von den Epithelzellen des Thymus gebildet werden. Diese Hormone fΓΆrdern die Thymopoese:
    • Die Differenzierung von Stammzellen zu reifen T-Lymphozyten
    • Die Proliferation und Regeneration des peripheren lymphatischen Gewebes
  • Zu den T-Lymphozyten zΓ€hlen:
    • T-Helferzellen (CD4⁺) β†’ erkennen Antigene auf MHC-II-MolekΓΌlen
    • Zytotoxische T-Zellen (CD8⁺) β†’ erkennen Antigene auf MHC-I-MolekΓΌlen
    • Regulatorische (Suppressor-)T-Zellen β†’ unterdrΓΌcken ΓΌberschießende Immunreaktionen
  • Die PrΓ€gung der T-Zellen erfolgt ΓΌberwiegend in der Kindheit; im Erwachsenenalter ist der Thymus grâßtenteils involutiert (fettreich umgebaut), aber restaktiv
  • Bereits geprΓ€gte T-GedΓ€chtniszellen sichern die lebenslange ImmunΓΌberwachung

πŸ“Œ Merke: 

Der Thymus lehrt T-Zellen, Freund und Feind zu unterscheiden – gesteuert durch Thymushormone, geprΓ€gt fΓΌr lebenslange Immunabwehr. 

Im Erwachsenenalter lΓ€uft kaum PrΓ€gung mehr ab - die Immunabwehr stΓΌtzt sich dann auf die frΓΌher gebildeten, geprΓ€gten T-Lymphozyten.


3.2 SekundΓ€re lymphatische Organe

βœ… Milz (Splen)

Kurzcharakteristik:

Die Milz zÀhlt zu den sekundÀr lymphatischen Organen. Sie dient als Kontroll- und Filtrationsorgan hauptsÀchlich der Aussonderung überalteter Erythrozyten und der immunologischen Überwachung des Blutes.


Topographie:

  • Intraperitoneal, im oberen linken Quadranten, in der sogenannten Milznische
  • In der Region der 9.- 11. Rippe, vom Rippenbogen geschΓΌtzt
  • Facies diaphragmatica:
    • Glatte konvexe AußenflΓ€che, die zum Zwerchfell zeigt
  • Facies visceralis:
    • Konkave InnenflΓ€che, die den benachbarten Bauchorganen gegenΓΌberliegt
    • Mittig, liegt auf dieser FlΓ€che der Milzhilus mit ein- und austretenden GefÀßen
  • Anatomische Variante mit einer oder mehreren Nebenmilzen in der NΓ€he des Milzhilus (bei etwa jedem fΓΌnften Menschen)


  • Blutversorgung:
    • Arterieller Zufluss:
      Aorta abdominalis β†’ Truncus coeliacus β†’ A. splenica (Milzarterie) β†’ Trabekelarterien β†’ Zentralarteriolen β†’ Pinselarteriolen β†’ HΓΌlsenkapillaren β†’ Milzsinus
    • VenΓΆser Abfluss:
      Milzsinus β†’ Pulpavenen β†’ Trabekelvenen β†’ V. splenica β†’
      mΓΌndet in die V. portae β†’ ΓΌber die Leber weiter zur V. cava inferior
    • Nach den HΓΌlsenkapillaren folgt die offene oder geschlossene Zirkulation:
      • Offen: Blut tritt aus den HΓΌlsenkapillaren in die Milzpulpa aus und gelangt von dort in die Milzsinus.
      • Geschlossen: Blut fließt direkt aus den Kapillaren in die Sinus.
        Diese Unterscheidung ist funktionell relevant (Filtration und ImmunΓΌberwachung).

πŸ“Œ Merke: 

Das Blut fließt über die A. splenica in die Milz, wird in der Pulpa gefiltert und verlÀsst sie über die V. splenica.



  • Auf ihrem Weg zurΓΌck in die Sinusoide, mΓΌssen die Erythrozyten Engstellen in der GefÀßwand ΓΌberwinden (Schlitzstruktur = Ort der Blutmauserung).
    • VenΓΆser Milzsinus mit Schlitzstruktur (von Makrophagen und Retikulumzellen umgeben). Erythrozyten bleiben in den Spalten des Endothels hΓ€ngen und werden von Makrophagen abgebaut

πŸ“Œ Merke: 

HΓΌlsenkapillaren sind offene Endabschnitte der Milzkapillaren, die in der roten Pulpa der Milz enden. Sie sind von MakrophagenhΓΌllen (β€žHΓΌlsenβ€œ) umgeben, daher der Name.


Makro-und Mikroanatomie:

  • Weiche, blutgefΓΌllte, dunkellila Milz
  • Faustgroß mit der Form einer Kaffeebohne
  • 4- 7- 11cm (HΓΆhe- Breite- LΓ€nge)
  • Blutleer etwa 150- 200g schwer. Gewicht einer Splenomegalie > 350g
  • Umgeben von einer derben Bindegewebskapsel, von der aus Trabekel nach innen ziehen
  • Das Parenchym der Milz besteht zu etwa 80 % aus roter Pulpa (Pulpa rubra) und zu 20 % aus weißer Pulpa (Pulpa alba).
    Beide sind in ein retikulÀres Bindegewebe eingebettet und von einem fein verzweigten GefÀßsystem durchzogen.
  • Rote Pulpa (Pulpa rubra)
    • Besteht aus retikulΓ€rem Bindegewebe und durchzogen von einem kompliziert aufgebauten GefÀßsystem
    • Durchsetzt von vielen weißen MilzknΓΆtchen (weiße Pulpa)
    • Die Verzweigungen der BlutgefÀße ziehen als Zentralarteriolen durch je ein MilzknΓΆtchen. Dabei sind die Zentralarteriolen von Lymphozyten umhΓΌllt= periarterielle Lymphozytenscheide (PALS)
    • Aus der Zentralarteriole zweigen zahlreiche GefÀßbΓ€umchen= Pinselarteriolen ab, die jeweils von einer spindelfΓΆrmigen HΓΌlse= HΓΌlsenkapillare dicht gepackter Makrophagen umgeben werden
    • Wenn die Pinselarteriolen die weiße Pulpa verlassen, verlieren sie die Muskulatur in der GefÀßwand und gehen in die venΓΆsen Sinusoide= Milzsinus ΓΌber, die von Makrophagen und Retikulumzellen umgeben sind
    • Etwa 10% des Blutes gelangt direkt in die Sinusoide der roten Pulpa (geschlossener Kreislauf = keine Blutmauserung)
    • Der Großteil gelangt ΓΌber die Pinselarteriolen ins Milzgewebe und versickert im retikulΓ€ren GrundgerΓΌst der roten Milzpulpa (offener Kreislauf), das jeden Milzsinus umgibt. Auf ihrem Weg zurΓΌck in die Sinusoide, mΓΌssen die Erythrozyten Engstellen in der GefÀßwand ΓΌberwinden (Schlitzstruktur = Ort der Blutmauserung)
    • Die GefÀßwand der venΓΆsen Sinusoide ist mit Endothelzellen ausgekleidet und enthΓ€lt mehr oder weniger weite Spalten= LΓΌcken zwischen den Endothelzellen (Schlitzstruktur)
    • Diese LΓΌcken kΓΆnnen nur intakte Erythrozyten passieren. Überalterte, beschΓ€digte oder verformte Erythrozyten bleiben an den LΓΌcken hΓ€ngen und werden von Makrophagen abgebaut (Blutmauserung)
    • Eisen wird ins Knochenmark transportiert und Bilirubin wird ans Albumin gebunden und ΓΌber die Pfortader zur Leber transportiert
  • Weiße Pulpa (Pulpa alba)
    • Besteht aus 3 Anteilen:
      • MilzknΓΆtchen (Malpighi- KΓΆrperchen): Beinhalten Lymphfollikel die in Form vom LymphstrΓ€ngen angeordnet sind. Hier sind die B-Lymphozyten angesiedelt
      • Lymphatische GefÀßscheiden (um die Zentralarteriolen angeordnet) = periarterielle lymphatische Scheiden  (PALS): Im Bereich der Lymphscheiden gibt es keine Lymphfollikel. Hier liegen die T-Lymphozyten vor
      • Marginalzone mit Lymphfollikeln (Grenze zwischen weißer und roter Pulpa)
    • Die weiße Pulpa dient der Immunabwehr und prΓΌft das durchstrΓΆmende Blut stΓ€ndig auf Antigene und Toxine
  • Der Lymphabfluss erfolgt ΓΌber die Milzlymphknoten (Nodi lymphatici splenici)


πŸ“Œ Merke: 

Weiße Pulpa kontrolliert das Blut immunologisch – rote Pulpa kontrolliert es funktionell.
Nur vitale Erythrozyten passieren die Schlitzstruktur, alte werden β€žausgemustertβ€œ – die Milz ist das β€žBlutfilterorganβ€œ des KΓΆrpers.


Aufgaben:

  • Blutbildung vor der Geburt= HΓ€matopoese ab der 6. SSW, diese endet bereits im Mutterleib
  • In geringem Maße ist die Milz, in den ersten sechs Lebensjahren an der extramedullΓ€ren HΓ€matopoese beteiligt
  • ExtramedullΓ€re HΓ€matopoese bei Erkrankungen des roten Knochenmarks
  • Immunabwehr (Differenzierung und Vermehrung von B- und T-Lymphozyten sowie AntikΓΆrperbildung)
  • Blutmauserung, Phagozytose und Abbau von Gerinnungsprodukten (kleine Blutgerinnsel)
  • Speicherung: 
    • Eisen (indirekt)
    • Erythrozyten, Lymphozyten und andere zellulΓ€re Blutbestandteile. Bei einer HypovolΓ€mie oder Hypoxie, kΓΆnnen im Durchschnitt bis zu 240 ml Blut aus der Milz abgegeben werden.
      • 1/3 der Thrombozyten werden in der Milz gespeichert (Pooling) und z.B. bei einer Sympathikusaktivierung (Adrenalin) ausgeschΓΌttet

βœ… Lymphatische Gewebe = MALT (Mucosa Associated Lymphoid Tissue)

Kurzcharakteristik:

Das mukosaassoziierte lymphatische Abwehrsystem (MALT) besteht aus lymphatischen Geweben (Kolonien von Lymphozyten in Bindegewebe eingelagert) und ist Teil des Immunsystems, das die SchleimhΓ€ute des KΓΆrpers schΓΌtzt und dabei eine Barriere gegen Pathogene bildet.

Topographie des MALT:

  • NALT= Nasenassoziiertes lymphatisches Gewebe (Nasen- Rachen- Bereich = z.B. Waldeyer- Rachenring)
    • Waldeyer- Rachenring:
      • 1 Rachenmandel (Tonsilla pharyngea), 1 Zungenmandel (Tonsilla lingualis, aus mehreren kleinen Mandeln zusammengesetzt), 2 Gaumenmandeln (Tonsillae palatinae)
        • Die Mandeln liegen unter dem MundhΓΆhlenepithel und bestehen aus retikulΓ€rem Bindegewebe
      • Sowie in retikulΓ€res Bindegewebe eingelagerte Lymphfollikel im Bereich der Tuben (Tuba auditiva), der seitlichen Rachenhinterwand (Seitenstrang) und am weichen Gaumen
      • Antigene die durch Nase und Mund eindringen, kΓΆnnen frΓΌhzeitig von Immunzellen erkannt werden


  • LALT= Larynx- assoziiertes lymphatisches Gewebe (Kehlkopf)
  • BALT= Bronchus- assoziiertes lymphatisches Gewebe (Bronchialschleimhaut)
  • CALT= Conjunctiva- assoziiertes lymphatisches Gewebe (Bindehaut)
  • GALT= Darm- assoziiertes lymphatisches Gewebe (Magen- Darm- Trakt = Appendix vermiformis und Peyer- Plaques)

      • Appendix vermiformis
      • Peyer- Plaques:
        • StraßenfΓΆrmige Ansammlungen von Lymphfollikeln im gesamten DΓΌnndarm, v.a. im terminalen Ileum und im Wurmfortsatz des Blinddarms (Appendix vermiformis)
        • Organisiertes lymphatisches Gewebe, in der Mukosa und Submukosa in Form von Peyer- Platten= Peyer- Plaques
          • Sie werden vor der Geburt angelegt und sind bis ins hohe Alter nachzuweisen
          • 15- 50, 1- 12cm Durchmesser und liegen parallel zur Darmachse, in der Regel auf der dem Mesenterium gegenΓΌberliegenden Seite
          • In retikulΓ€rem Bindegewebe eingelagerte Lymphfollikel
        • Hier liegen 70- 80% aller antikΓΆrperbildenden Plasmazellen. Die restlichen 20- 30% verteilen sich auf die anderen sekundΓ€ren lymphatischen Organe, das GefÀßsystem und Bindegewebe
        • Da der Dam direkt mit der aufgenommenen Nahrung in Kontakt kommt, bildet er eine ideale Eintrittspforte fΓΌr Antigene
        • In das Darmschleimhautepithel sind spezifische Zellen eingestreut, die Antigene Substanzen erkennen und aufnehmen kΓΆnnen= M-Zellen

  • VALT= Vagina- assoziiertes lymphatisches Gewebe (Vaginalschleimhaut) auch Prostata-assoziiertes lymphatisches Gewebe und Urethra-assoziiertes lymphatisches Gewebe (UALT) beim Mann

Aufgaben allgemein:

  • Barrierefunktion der SchleimhΓ€ute und Abwehr von Pathogenen durch Produktion von AntikΓΆrpern (IgA) zur Neutralisation von Krankheitserregern
    • IgA werden auch in KΓΆrperflΓΌssigkeiten wie TrΓ€nen, Speichel und Muttermilch abgegeben


βœ… Lymphknoten

Kurzcharakteristik:

Lymphknoten sind filternde, bohnenfΓΆrmige Organe des lymphatischen Systems, die als Zwischenstationen im Lymphstrom dienen und eine zentrale Rolle in der Immunabwehr spielen.

Topographie:

  • Kettenartig entlang der großen LymphgefÀße angeordnet
  • Besonders in Regionen: Hals, Achsel, Leiste, Brust- und Bauchraum
  • Typische Sammelstationen: cervical, axillΓ€r, inguinal, mesenterial, paraaortal, tracheobronchial

Makroanatomie:

  • Grâße: wenige Millimeter bis ca. 2 cm
  • Bindegewebskapsel mit einstrahlenden Trabekeln
  • Eintritt der Lymphe: Mehrere Vasa afferentia β†’ Rinde (Cortex) β†’ Paracortexβ†’ Mark (Medulla) β†’ ein Vasa efferentia am Hilus (Austrittsstelle)

Mikroanatomie:

  • Rinde (Cortex):
    • EnthΓ€lt Lymphfollikel (B-Zone)
    • PrimΓ€rfollikel: ruhende, naive B-Zellen
    • SekundΓ€rfollikel: aktive B-Zellen mit Keimzentrum (Ort der klonalen Expansion, Selektion und AntikΓΆrperproduktion β†’ Plasmazellen & B-GedΓ€chtniszellen)
  • Paracortex: 
    • Hier findet die AntigenprΓ€sentation durch dendritische Zellen und Makrophagen an T-Zellen statt (T-Zone)
    • Über die hochendothelialen Venolen (HEV) treten T-Zellen aus dem Blut in den Lymphknoten ein.
  • Mark (Medulla): 
    • MarkstrΓ€nge mit Plasmazellen und Makrophagen
    • RetikulΓ€res Bindegewebe als StΓΌtzgerΓΌst

Aufgaben:

  • Filtration der Lymphe von Fremdstoffen, Erregern, ZelltrΓΌmmern, Tumorzellen
  • Aktivierung von Immunzellen (Ag-PrΓ€sentation, Lymphozytenproliferation)
  • Bildung von AntikΓΆrpern durch aktivierte B-Zellen / Plasmazellen
  • Weiterleitung gereinigter Lymphe an grâßere LymphgefÀße

3.3 Das LymphgefÀßsystem:

βœ… Lymphbahnen

Kurzcharakteristik:

Die Lymphbahnen beginnen als freie Kapillaren im Interstitium und vereinigen sich zu grâßeren LymphgefÀßen:

  • Initiales LymphgefÀß (Kapillaren) β†’ PrΓ€kollektoren β†’ Kollektoren β†’ LymphstΓ€mme (Trunci) β†’ LymphgΓ€nge (Ductus lymphatici)

πŸ“Œ Merke: 

PrΓ€kollektoren = Zwischenstation – leiten, aber pumpen kaum

Kollektoren = aktive PumpgefÀße – sie treiben den Lymphfluss voran

Makro-und Mikroanatomie:

  • LymphgefÀße = Lymphkapillaren:
    • Bestehen aus einlagigem, ΓΌberlappendem Endothel
    • Die Endothelzellen sind ΓΌberlappend wie Dachziegel angeordnet β†’ bilden Ventilstrukturen, die bei Druck im Gewebe ΓΆffnen
    • Basalmembran unvollstΓ€ndig oder fehlt ganz, damit FlΓΌssigkeit, Proteine, ZelltrΓΌmmer und grâßere MolekΓΌle eintreten kΓΆnnen
    • Ankerfilamente verbinden Endothelzellen mit dem umgebenden Bindegewebe β†’ verhindern ein Kollabieren der Lymphkapillaren bei Gewebedruck
  • PrΓ€kollektoren und Kollektoren:
    • Haben Klappen (Γ€hnlich Venen) β†’ sorgen fΓΌr gerichteten Lymphfluss
    • Besitzen eine dΓΌnne glatte Muskulatur, die durch Kontraktion den Lymphtransport unterstΓΌtzt
  • Große LymphstΓ€mme und LymphgΓ€nge (Trunci, Ductus thoracicus etc.)
    • Dreischichtiger Wandaufbau Γ€hnlich von kleinen Venen:
      • Tunica intima mit Endothel
      • Tunica media mit glatter Muskulatur
      • Tunica adventitia aus Bindegewebe
    • Enthalten Klappen β†’ RΓΌckflussverhinderung

πŸ“Œ Merke: 

Ankerfilamente = Zugmechanismus, der die Aufnahme von Lymphe ermΓΆglicht

Kontraktile Filamente = MuskulΓ€re Struktur β†’ sorgt fΓΌr aktive Fortbewegung der Lymphe

  • Die Lymphe entsteht aus der interstitiellen FlΓΌssigkeit, die durch die Filtration des Blutes im Kapillargebiet in das Gewebe austritt und zwischen den Zellen zirkuliert. Diese FlΓΌssigkeit wird durch die Lymphkapillaren (HaargefÀße) die frei im Interstitium beginnen, aufgenommen und ΓΌber die LymphgefÀße in das lymphatische System (Ductus thoracicus und Ductus lymphaticus dexter), bis in die Venenwinkel weitergeleitet. Hier gelangt die Lymphe dann ins venΓΆse GefÀßsystem. Ein Teil der Lymphe wird am Lymphknoten venΓΆs entsorgt.

πŸ“Œ Merke: 

Die Venenwinkel bezeichnen die Stelle, an der die V. subclavia und V. jugularis interna zusammenfließen. Aus diesem Zusammenfluss entsteht die V. brachiocephalica dextra bzw. sinistra

An diesem Venenwinkel mΓΌndet:

  • Rechts der Ductus lymphaticus dexter
  • Links der Ductus thoracicus



Bestandteile und Topographie:

Der Ductus thoracicus sammelt Lymphe aus fast dem gesamten KΓΆrper – außer aus dem rechten Arm, der rechten ThoraxhΓ€lfte, der rechten Kopf- und Halsseite (rechten oberen Quadranten) β†’ diese drainieren ΓΌber den Ductus lymphaticus dexter).


  • Ductus thoracicus (Milchbrustgang):
    • Entspringt aus der Cisterna chyli auf HΓΆhe LWK 1– 2
    • Ca. 40 cm lang und zieht mit der Aorta durch das Diaphragma und mΓΌndet in den linken Venenwinkel (V. subclavia sinistra und V. jugularis sinistra, die sich zur V. brachiocephalica sinistra vereinen)
    • Lage der Cisterna chyli:
      • Liegt retroperitoneal vor den Lendenwirbeln L1–L2,
      • am Übergang der Bauch- in die BrusthΓΆhle,
      • ist eine erweiterte Sammelstelle (Lymphsack) fΓΌr Lymphe aus der unteren KΓΆrperhΓ€lfte,
      • bildet den Ursprung des Ductus thoracicus.
    • Die Cisterna chyli erhΓ€lt Lymphe aus drei großen LymphstΓ€mmen (Trunci unterhalb des Zwerchfells):
      • Truncus intestinalis drainiert die viszeralen Lymphknoten der unpaaren Bauchorgane: DΓΌnndarm, Dickdarm (von Appendix vermiformis bis etwa zur linken Flexur = 2/3 Colon transversum), Leber (80%), Gallenblase, Pankreas, Magen und Milz. Er fΓΌhrt die sogenannte Chylus-Lymphe (fettreich, milchig-weiß) ab, die v.a. Chylomikronen enthΓ€lt.
      • Trunci lumbales dexter & sinister drainieren die paarigen Organe, die Beckenorgane und die unteren ExtremitΓ€ten: Nieren, Nebennieren, Ureter (Harnleiter), Harnblase (Vesica urinaria), Prostata, Uterus, Ovarien / Testes, Vagina, Rektum (untere Abschnitte), Colon descendens und Sigmoideum (ΓΌber Lymphknoten entlang der A. mesenterica inferior) und die unteren ExtremitΓ€ten.
    • ZuflΓΌsse Oberhalb des Zwerchfells (mΓΌnden direkt in den Ductus thoracicus):
      • Linke Kopf- und HalshΓ€lfte β†’ ΓΌber Truncus jugularis sinister
      • Linke obere ExtremitΓ€t β†’ ΓΌber Truncus subclavius sinister
      • Linke ThoraxhΓ€lfte (inkl. linker Lungenlappen, linkes Mediastinum, linke Brustwandabschnitte) β†’ ΓΌber Truncus bronchomediastinalis sinister

πŸ“Œ Merke: 

Alle LymphgefÀße unterhalb des Zwerchfells, also sowohl aus den Beinen, Beckenorganen, als auch aus den Bauchorganen, vereinigen sich über die Trunci lumbales (paarig) und den Truncus intestinalis (unpaar) in der Cisterna chyli. Diese leitet die gesamte Lymphe weiter in den Ductus thoracicus.


  • Ductus lymphaticus dexter:
    • Kurzer, etwa 1–2 cm langer Lymphgang
    • MΓΌndet in den rechten Venenwinkel (V. subclavia dextra und V. jugularis dextra, die sich zur V. brachiocephalica dextra vereinen)
    • Der Ductus lymphaticus dexter sammelt die Lymphe aus dem rechten oberen KΓΆrperquadranten: 
      • Rechte Kopf- und HalshΓ€lfte β†’ ΓΌber Truncus jugularis dexter
      • Rechte obere ExtremitΓ€t β†’ ΓΌber Truncus subclavius dexter
      • Rechte ThoraxhΓ€lfte (inkl. rechter Lungenlappen, rechtes Mediastinum, rechter Brustwandabschnitt) β†’ ΓΌber Truncus bronchomediastinalis dexter
      • Diese drei Trunci vereinigen sich zum Ductus lymphaticus dexter und dieser mΓΌndet β†’ in den rechten Venenwinkel
    • Der Ductus lymphaticus dexter sammelt so die Lymphe aus: 
      • Rechte Kopf – und Halsseite, rechte Brust und RΓΌckenseite, rechter Arm, restliche 20% der Leber, Pleura, Herz, rechte Lunge und oberes drittel der linken Lunge
  • Einige LymphgefÀße mΓΌnden direkt in Venen des großen KΓΆrperkreislaufs
  • Das Lymphsystem besitzt keine eigene Pumpe. Die Bewegung der Lymphe wird beeinflusst von:
    • FlΓΌssigkeitsdruck im Interstitium und Muskelpumpe
    • Bewegung durch anliegende Organe: Darmperistaltik, Arterienpulsation, Unterdruck im Thorax
    • Eigene KontraktionsfΓ€higkeit der LymphgefÀße durch Filamente
    • Klappen verhindern den RΓΌckfluss / RΓΌckstau

Aufgaben:

  • Aufnahme und Transport von großmolekularen Stoffen aus Darm und Interstitium, die aufgrund ihrer Grâße durch die BlutgefÀßwΓ€nde nicht aufgenommen werden kΓΆnnen
  • Lymphpumpe

3.4 Die Lymphe

  • Zusammensetzung der Lymphe:
    • TΓ€glich gebildet: ca. 2–4 Liter, klar bis leicht gelblich
    • Im Bereich des Darms (nach fettreicher Nahrung) milchig-trΓΌb durch Chylomikronen β†’ bezeichnet als Chylus (bei fettfreier ErnΓ€hrung: Lymphe bleibt klar)
  • Inhaltsstoffe:
    • Wasser
    • Elektrolyte: Natrium, Kalium, Kalzium, Phosphat
    • Proteine (v.a. Albumin, Fibrinogen; besonders hohe Konzentration in der Leberlymphe β†’ bis zu 50 % der Lymphe des Ductus thoracicus)
    • Kohlenhydrate (Glukose)
    • Lipide: v.a. Chylomikronen nach Nahrungsaufnahme
    • Enzyme: Amylasen, Lipasen
    • Immunzellen: v.a. Lymphozyten (β‰ˆ 95 % aus Lymphknoten) und Monozyten
    • Abfallstoffe des Stoffwechsels: Kreatinin, Harnstoff
    • Erreger, ZelltrΓΌmmer und entartete Zellen (werden im Lymphknoten erkannt und abgebaut)
    • Keine bzw. sehr wenige Erythrozyten oder Thrombozyten

πŸ“Œ Merke: 

Chylomikronen entstehen im DΓΌnndarmepithel nach der Fettverdauung:

  1. Spaltung: Nahrungsfette (Triglyzeride) werden durch Lipasen in Monoglyceride und freie FettsΓ€uren (kurz-, mittelkettige- und langkettige FettsΓ€uren) zerlegt. Kurzkettige FettsΓ€uren werden an Albumin gebunden und direkt ΓΌber das venΓΆse System (V. portae) zur Leber transportiert.
  2. Aufnahme: Diese gelangen in die Enterozyten (Darmzellen).
  3. Resynthese: Im Endoplasmatischen Retikulum werden sie wieder zu Triglyzeriden zusammengesetzt.
  4. Verpackung: Die Triglyzeride werden mit Cholesterin, Phospholipiden und Apolipoprotein zu Chylomikronen verpackt.
  5. Abgabe: Chylomikronen werden in die LymphgefÀße abgegeben und gelangen über den Ductus thoracicus ins Blut.
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